| |
|
|
|
 |
|
|
|
Hier stellen wir einigen bekannten Karpfenanglern Fragen rund um die Fischerei.
Diese werden dann mit ihrer jahrelangen Erfahrung bestmögliche Antworten geben.
Beginnen wir mit einer kurzvorstellung der Interviewten.
Kurt Grabmayer, Angelgerätehändler aus Wien. Verheiratet, leidenschaftlicher
Karpfenangler seit mehr als 30 Jahren.
World Carp Cup Champion 2002 am Raduta. Mittlerweile hat Kurt auch ein eigene Marke mit dem Namen Aquaborne herausgebracht.
|
 |
Andreas Karrer, Versicherungskaufmann aus Graz. Fieldtester für renomierte Firmen wie zB.: FOX und Nutrabaits.
Seit
meiner Jugend bin ich leidenschaftlicher Angler. 1987 begann ich dann
mit dem spezialisierten Karpfenangeln. Zu dieser Zeit gab
es nur
wenig Gleichgesinnte und unsere Anfänge mit dem Boiliefischen sind mit
dem heutigem Angeln auf Karpfen kaum noch zu vergleichen.
Ende der neunziger Jahre entstanden die "Grazy Carpers" - und ich bin stolz dieser Gruppierung vorstehen zu dürfen.
|
 |
Michael Flosdorf,
42 Jahre, Karpfenangler seit
1984/85
vorher Specimen
Hunting, speziell auf Brachsen im Stillwasser
Länder, in denen
ich schon auf Karpfen gefischt habe:
Deutschland,
Österreich, Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Ungarn, Rumänien,
Slovenien, Marokko, Südafrika
Größter Fisch 28,0
kg Schuppen (2003), 26,95 kg Spiegler (1991), einige Andere über 25 kg; bisher
weit über 60 Fische über 20 kg (ich habe aufgehört zu zählen)
|
 |
Die Antworten in blau sind von Kurt Grabmayer
und die in rot von Andreas Karrer
und in grün die Antworten von Michael Flosdorf
|
Frage_1 |
Wie bereitest
Du dich für einen Trip an ein dir völlig unbekanntes Gewässer
vor? |
| Kurt |
Ich versuche, soviel als möglich im vorab zu recherchieren.
Je mehr Information ich bekommen kann, umso einfacher wird die Gestaltung meiner
Ausrüstung (und ich habe viel davon.....)Standardgerät wie Echolot, Thermometer
etc. ist sowieso immer dabei. |
| Andy |
In aller Ruhe! Eine Check Liste hilft mir dabei recht
stressfrei meine ganzen Utensilien zusammen zu packen.
Somit besteht kaum
Gefahr, dass wichtige Ausrüstungsgegenstände zu Hause vergessen werden.
Ich vertraue lediglich guten Ködern und versuche etwas
variable zu sein. Ich meine damit, dass ich zumindest
2 Sorten von Boilies und
auch alternatives Futter wie Pellets, Hanf etc mitnehme.
20kg Boilies und eben
soviel Alternativfutter sollten für eine Woche jedenfalls ausreichen. Alles andere entscheide ich
vor Ort und ich verlasse mich auf mein Gefühl meine Erfahrung
|
| Michael |
Nun, ganz einfach:
ich habe einen großen Van, da kommt alles hinein, was ich für sinnvoll erachte.
Nein, im Ernst: ich versuche, möglichst gesicherte Informationen zu bekommen
und nehme eine Vielzahl verschiedener Futter mit: vom konservierten Boilie über
Pellets hin zu Partikeln und Methodfutter. Man muss auf jede Eventualität
vorbereitet sein. Nach dem ersten Trip reduziert sich das meist schon und beim nächsten Mal kann
man oftmals schon viel gezielter füttern und fischen.
Selbstverständlich
erkundige ich mich vorher auch nach den Möglichkeiten, sich am Ufer
einzurichten: ist nur ein Schirm mit Seitenteilen erlaubt (wie bei uns in der
Köln-Bonner Region oftmals) oder kann ich sorgenfrei ein Zelt aufstellen?
Boot und Echolot
gehören bei mir zur Standardausrüstung. Wenn dies nicht erlaubt ist, versuche
ich im Dunkel der Nacht zumindest eine Erkundungstour mit dem Echolot zu
machen, damit ich mir einen Eindruck von der Gewässerstruktur machen kann.
|
| Frage_2 |
Deine nächste Session geht an einem Dir unbekannten rießigen Natursee, nach welchen
kriterien entscheidest du die Platzwahl? (Zelt) |
| Kurt |
Generell suche ich zuerst
nach Features. Dabei wird, sofern möglich, die Hauptwindrichtung berücksichtigt.
Finde ich einen Spot, taste ich den Boden ab, und messe die Temperatur.
Temperaturunterschiede können oft maßgebend für Erfolg oder Misserfolg sein.
Erst zuletzt wird geschaut, ob in geeigneter Nähe ein Platz fürs Zelt
ist.
Da mußte ich schon oft
improvisieren.... Es gibt aber Situationen, wo ich dann zwangsläufig nach
Alternativen suche.
|
| Andy |
Bei
vielen großen österreichischen Seen sind
geeignete Angelplätze eher davon beeinflusst, welchen Zugang man überhaupt zum Wasser
bekommt. Leider gibt es für den Geschmack der Karpfenangler wohl zu viel
private Domizile, die uns vielversprechende Plätze verwehren. Im Ausland finden
wir oftmals bessere Möglichkeiten.
Entscheidend für die Platzwahl können folgende Gründe für mich sein – sofern
ich keine Infos von guten Stellen im Vorfeld bekommen habe.
- Verlauf des Ufers: Selbst bei Naturseen
kann es steilabfallende Ufer sowie seicht auslaufende Stellen geben,
welche man durch den Verlauf der Landschaftsumgebung einfach erkennen
kann. Felswände die z.B. steil abfallend ins Wasser reichen, werden eher
sehr tiefe Angelstellen bieten. Flache Wiesen hingegen, die ans Ufer
grenzen, werden vermutlich einen
flacheren Uferverlauf hervorbringen.
- Jahreszeiten: Stellen, die im Frühjahr gut sind, können
im Spätherbst oder im Winter völlig unproduktiv sein. Diesen Umstand
berücksichtige ich jedenfalls bei einer Platzwahl. Daher werde ich im
Frühjahr eher flachere Plätze suchen und im Spätherbst tieferes Wasser
befischen.
- Windverhältnisse: Der Wind kann an großen Gewässern
starken Einfluss auf den Fangerfolg haben.
Deswegen befische ich durchaus gerne nordseitige Ufer, da Süd –
oder Süd/Westwinde meine Chancen erhöhen können.
|
| Michael |
Ich entscheide
nach Jahreszeit, Wetterlage und dem, was ich an Informationen zu diesem See
habe. Liegt mir eine detaillierte Gewässerkarte vor, werde ich mich daran
orientieren. Aber zur Sicherheit werde ich vor dem Aufbauen immer die
angegebenen Tiefen nachprüfen. Schon oft hat sich der ein oder andere Künstler
an einer topografischen Karte zu schaffen gemacht, insbesondere in den früheren
Ostblockländern...
Auch die Bodenart
ist an großen Seen eventuell ganz unterschiedlich. Krautfelder tauchen in
unterschiedlichen Bereichen/Tiefen auf und sind immer Magneten für Karpfen.
|
| Frage_3 |
One
night stand oder mehrtägige Session was von beiden bevorzugst Du?
|
| Kurt |
Auf jeden Fall mehrtätig.
Leider läßt dies meine Zeit nicht so oft zu. One night sessions mache ich kaum,
da bin ich lieber mit meinem Boot für ein paar Stunden in der
Au.
|
| Andy |
Je
mehr Zeit ich am Wasser verbringen kann, desto größer wird meine Chance sein
einen Fisch zu fangen. Zumeist habe ich aber nur ein oder zwei Nächte zur
Verfügung und ich versuche das Beste daraus zu machen.
|
| Michael |
Da gibt es keine
Bevorzugung meinerseits. Ich mach das was nötig ist und gleichzeitig, was
meinerseits möglich ist oder mir durch äußere Bestimmungen auferlegt wird.
|
| Frage_4 |
Kurzsession
wie gehst du vor, fütterst du den Platz vor?
|
| Kurt |
Vorfüttern ist leider
zeitmässig nicht mehr drin. Wenn man aber Plätze kennt, wo Fische regelmäßig
patroullieren, ist es relativ einfach. Dabei verwende ich wenig Futter, gerade
eine handvoll Boilies und zwei handvoll Pellets pro Rute. Ich füttere auch gerne
mit zerbrochenen Boilies zu. |
| Andy |
Das hängt
ganz klar vom Gewässer ab. Karpfen, die an Boilies gewöhnt sind, benötigen
meiner Meinung nach keine großartige Vorfütterungsaktion. Der Erfolg hängt mehr
mit dem richtigen Angelplatz zusammen.
Fischt man an der falschen Stelle, bringt auch tagelanges füttern
nichts.
Bei
Fischen, die unseren Ködern noch skeptisch gegenüber stehen, kann ein dezentes
vorfüttern durchaus einen Vorteil bringen. Aber auch hier ist das Auffinden von
natürlichen Fressplätzen noch wichtiger.
|
| Michael |
Wenn das Gewässer
in meinem Einzugsgebiet liegt, füttere ich auch an und versuche, den
Futterplatz aufzubauen. Dies natürlich nur solange, wie der Gesetzeshüter oder
Verein mich lässt. Oft habe ich bei
Kurzsessions nur das allernotwendigste dabei und lebe selbst ganz
spartanisch: einen Schirm, einen
Bedchair, die Tackle-Box, zwei Ruten, Bißanzeiger, Matte und Waage - das war's.
Essen gibt's dann meist vorher in Form einer Pizza, eines Döners oder
Hamburgers an der Ecke. Eine Flasche Wasser für die Nacht muss reichen. Morgens
bin ich dann auch bei Zeiten wieder weg, es sei denn, die Fische beißen
bekanntermaßen vormittags. Aber speziell in den Sommermonaten, der Badesaison,
bin ich verschwunden, bevor der erste "Badegast" seine Augenlider
geöffnet und über ein weiteres Bad im Kühlen Nass nachgedacht hat.
|
| Frage_5 |
Wechselst
du bei mehrtägigen Sessions den Platz (moven)? |
| Kurt |
Ja, dazu bekenne ich mich. Mit ganz wenigen Ausnahmen hat
sich diese Vorgehensweise immer bewährt. Man kann oft einen Misserfolg innerhalb
der letzten 24Stunden in einen Erfolg umwandeln. |
| Andy |
Das kann ich
so einfach nicht beantworten, weil ein Platzwechsel von mehreren Faktoren
abhängt. Generell lasse ich mir einiges an Zeit bevor ich mein Bivvy aufstelle.
Erst wenn ich mir sicher bin, dass der Platz meinem Gefühl nach
erfolgsversprechend ist, werde ich sesshaft. Daher ist der Einsatz von einem
Echolot unumgänglich und falls kein Boot erlaubt ist, dann verwende ich die
Markerrute. Somit habe ich dann eine sorgfältig ausgewählten Platz zu dem ich volles
Vertrauen habe. Selbst wenn ich ein paar Tage keinen Biss bekommen sollte, wird mich das nicht gleich verunsichern. Nur
wenn triftige Gründe eintreten – wie z.B. ein Temperatursturz mit eiskalten
Winden, die mich veranlassen könnten zu glauben, dass der Platz im flachen
Wasser aufgrund dieser Bedingungen nicht mehr den gewünschten Erfolg bringen
kann, dann werde ich reagieren. Ansonsten ist es meiner Meinung nach besser
geduldig zu bleiben.
|
| Michael |
Zunächst versuche
ich nach erfolgter Platzwahl, die entsprechenden Futterplätze aufzubauen. Dies
dauert in der Regel zwei bis drei Tage. Sollte sich diese Stelle dann als
absolut fischleer herausstellen, habe ich meist schon eine weitere Option ins
Auge gefasst, die ich entweder schon vorgefüttert habe oder spontan befische.
Beim Blanken
sollte man beachten:
niemals auf gefangene
Zufallsfische anderer Angler mit einem Platzwechsel reagieren.
Wenn man selbst
nichts fängt: fangen andere Angler regelmäßig Fische zur gleichen Zeit an
anderen Gewässerteilen?
Wenn ja, heißt es,
sich erneut auf die Suche zu begeben und bitte nicht den nächsten Platz zum
größten Fang der letzten Tage wählen, wie es so oft gemacht wird.
Meist bekommen
diese Schmalspur-Denker auch Ihre verdiente Quittung, denn meist ist der Spuk
schon vorbei, wenn die Trittbrettfahrer auftauchen.
Wird nirgendwo am See etwas gefangen, macht es oft keinen Sinn, hektisch einen
neuen Platz anzusteuern. Sinnloses Aussitzen ist jedoch auch vergeudete Zeit.
Daher muss man hier mit Sinn und Verstand abwägen, was man in einer solchen
Situation macht.
Einen Platzwechsel
nehme ich nur dann vor, wenn ich der Meinung bin, an einer anderen Stelle
besser zu fangen oder wenn ich das Gewässer insgesamt besser kennen lernen
will.
|
| Frage_6 |
Welche
Gewässertypen bevorzugst du (Schotter-, Natursee oder Fließgewässer)?
|
| Kurt |
Grosse Seen, ob Stau oder
Natursee ist egal. Je schwieriger, desto lieber. Ich habe in meinem Anglerleben
schon soviele Blanks erlebt, das ich mittlerweile fast die Challenge brauche.
Dann auf jeden Fall Flüsse und Ausstände. Schottergruben wenig bis
gar nicht. Flussfischen ist
in der letzten Zeit zu meiner grossen Leidenschaft
geworden.
Was ich überhaupt nicht mehr
befische - zu bekannte Seen (sorry, Ossiachersee, mein letzter Auftritt dort war
vor
gut 12 jahren) ich bevorzuge
das Fischen in Ruhe und Natur.
|
| Andy |
In meinem
Umfeld gibt es mehr Schottergruben, die manchmal sehr launisch sein können.
Aber genau das macht sie reizvoll. Naturseen habe ich hauptsächlich im Ausland
befischt. Aufgrund der schöne Lage in der sich viele von ihnen befinden haben
sie auf mich eine sehr einladende Wirkung. Der Drill eines großen Flusskarpfens
ist aufgrund der Strömung etwas besonderes. Ich hatte einige Male an der Saone
in Frankreich das Vergnügen. Leider haben wir in der Steiermark keinen wirklich
guten Fluss für Karpfen, wo sich mein Zeitaufwand auszahlen würde |
| Michael |
Ich bevorzuge
Gewässer, an denen ich ganz alleine auf riesige Monster angeln kann, aber die
sind mehr als selten geworden in der heutigen Zeit!
Besonders gefallen
mir große Naturseen, so wie es sie bei Euch in Österreich gibt oder aber große
Kiesseen ab 50 ha., die einen dünnen Bestand an Fischen aufweisen. Die Zeit, in
der man 5-10 Runs pro Nacht toll fand, ist bei mir definitiv vorbei. Ich bin in
der zweiten Lebenshälfte und brauche meinen Schlaf! :-) |
| Frage_7 |
Wie
gehst du an naturnahrungsreichen Seen mit einer sehr geringen Fischdichte vor?
|
|
| Kurt |
Mit sehr sorgfältiger
Beobachtung. Es ist hier unbedingt erforderlich, die natürlichen Fressplätze der
Fische zu finden. Logischerweise verwende ich auch hier wenig Futter. Qualität
statt Quantität! Und, was noch wichtiger ist-
Köder mit niedrigem
Flavouranteil!
An solchen Gewässern
verbringe ich oft die ersten beiden Tage nur mit beobachten, ohne eine Angel
auszuwerfen.
|
| Andy |
Der Schlüssel
zum Erfolg liegt in der Ausdauer. Viele Blanks müssen einkalkuliert werden,
denn es dauert manchmal lange bis die Fische unser Futter annehmen. Ergänzend
dazu müssen wir die natürlichen Fressplätze der Karpfen finden, denn nur dann
haben wir eine realistische Chance auf einen Fangerfolg. |
| Michael |
a. ist der See in
meinem Einzugsbereich, d.h. kann ich anfüttern, so versuche ich bevorzugt in
den nahrungsärmeren Zeiten, dort durch Anfüttern mit der natürlichen Nahrung zu
konkurrieren. Viel fischen gehen, sich nicht entmutigen lassen, das ist hier die
Devise!
b. Kann ich nur
sporadisch oder nur im Urlaub dieses Gewässer befischen, wäge ich ganz genau
ab, ob dies wirklich Sinn für mich macht - meistends nicht! Aber es gibt ja
auch noch andere Gründe, ein solches Gewässer zu befischen, wenn zum Beispiel
ein guter Freund mit von der Partie ist. Ich versuche dann mit auffälligen
Ködernzumindest tagsüber meine Chancen zu steigern. Dazu zählen sicherlich
Pop-up's in grellen Farben und konzentrierte Futterteppiche um den Hakenköder,
bevorzugt mit Partikeln. Hier locken dann auch die anwesenden Weißfische die
Karpfen auf den Platz.
Manchmal habe ich
den Eindruck, Karpfen sind beim Fressen schlimmer als Frauen beim
Sommerschlußverkauf am Wühltisch! - Ein anderes Mal sind sie aber auch
mindestens so argwöhnisch, wählerisch und launisch wie eine Frau nur sein
kann...
|
zurück
|
| www.carphunters.at |
|
|